Ein Moment, der alles veränderte: Die Schließung des Bergwerks am 30. September 1966 löste in Penzberg einen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und städtebaulichen Wandel aus. Oberflächlich gibt es heute nur wenige Hinweise auf die Bergbau-Vergangenheit.
Bernd und Hilla Becher (1931–2007, 1934–2015) machten diese Industrielandschaften, verschwindende Orte, zu ihrem Lebensthema. Mit präzisem Blick und unverwechselbarer Bildsprache schufen sie ein fotografisches Gedächtnis der Industriezeit.
Im Museum Penzberg – Sammlung Campendonk begegnen ihre Arbeiten nun einer Stadt, deren Geschichte selbst untrennbar mit dem Bergbau verbunden ist.
Die Ausstellung setzt die international bekannten Fotografien der Bechers in Bezug zur Geschichte Penzbergs, die über 170 Jahre vom Kohlebergbau geprägt wurde. Bereits Ende der 1950er Jahre begann das Künstlerpaar Industrieanlagen systematisch zu fotografieren. Auch wenn sie Penzberg nie bereist haben, so teilt die Stadt mit vielen der von den Bechers dokumentierten Orte eine ähnliche Erfahrung des Strukturwandels: Über Generationen hinweg zeichneten Fördertürme, Aufbereitungsanlagen und Maschinenhallen das Erscheinungsbild und das Selbstverständnis der Stadt aus.
Nach dem Ende des Bergbaus 1966 verschwanden zahlreiche dieser Bauwerke. Die Fotografien der Bechers fungieren daher auch als visuelle Stellvertreter einer verlorenen industriellen Identität. Dank zahlreicher Leihgaben des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen, der Konrad Fischer Galerie, der Stiftung Ann und Jürgen Wilde und der Pinakothek der Moderne der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ist erstmals seit 2004 wieder eine große Präsentation des Künstlerpaares in Süddeutschland zu sehen.
Ergänzt wird die Ausstellung durch zeitgenössische Arbeiten der Künstlerin Lena Schabus, die sich in ihrer künstlerischen Praxis mit Landschaft und Transformationsprozessen auseinandersetzt. Gemeinsam eröffnen die Werke einen Resonanzraum für Fragen zu Verlust, Wandel und dem Fortwirken industrieller Geschichte in der Gegenwart. Zugleich verweist die Schau auf die Vergänglichkeit von Industriearchitektur und ordnet die lokale Geschichte in einen größeren historischen Zusammenhang ein.
Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich einem Oral-History-Projekt. Dabei sind die Bürger:innen Penzbergs eingeladen, ihre persönlichen Erinnerungen an die Schließung des Bergwerks und die Umbruchsjahre zu teilen. Durch Erzählungen, individuelle Perspektiven und erhaltene Objekte entsteht ein kollektives Gedächtnis der Stadt, das die künstlerischen Positionen der Ausstellung um eine unmittelbare menschliche Ebene ergänzt. Die persönlichen Stimmen machen erfahrbar, welche Chancen der Wandel mit sich brachte und wie er bis heute nachwirkt.
BEGLEITPROGRAMM
Ausstellungseröffnung | Museum Penzberg
19.07. | Sonntag | ab 14 Uhr
Bei freiem Eintritt mit Kaffee, Sekt & Kuchen
Musikalische Begleitung durch die Musikschule Penzberg
Öffentliche Führungen | Museum Penzberg | sonntags
26. Juli | 9. August | 23. August | 6. September | 20. September | 4. Oktober| 18. Oktober
11.30 Uhr | Teilnahme € 5,- zzgl. Museumseintritt
Öffentliche Familienführungen | Bergwerksmuseum Penzberg | sonntags
13. September | 11. Oktober
11.30 Uhr | zzgl. Museumseintritt – wir empfehlen die Kombikarte
Kombiführung „Becher und Bergwerk“ | Museum Penzberg + Bergwerksmuseum Penzberg
24.09. | Donnerstag | 16.30 Uhr
01.10. | Donnerstag | 16.30 Uhr
Die frühabendlichen Führungen starten in der Kunstausstellung im Museum Penzberg und werden eränzt durch einen geführten Rundgang im Penzberger Bergwerksmuseum
Teilnahme € 5,- zzgl. Museumseintritt – wir empfehlen die Kombikarte
Foto-Workshop + Führung | „Fragmente von Architektur“ | Museum Penzberg
24.07.* | Freitag | 14 – 17 Uhr
21.08.** | Freitag | 14 – 17 Uhr
Nach einer kurzen Impulsführung durch die Ausstellung erkunden wir mit dem Smartphone die Architektur des Museums und gestalten inspiriert von den Fotoarbeiten von Bernd und Hilla Becher eigene grafische Bildkompositionen. Die entstandenen Fotografien werden in Schwarz-Weiß bearbeitet, im Format 10 × 15 cm ausgedruckt und anschließend gemeinsam besprochen; die Bilder können von den Teilnehmenden mitgenommen werden. Es wird ein Smartphone benötigt.
Für Erwachsene, Familien, Kinder und Jugendliche, ab 12 Jahren, mind. 6 max. 10 Teilnehmer
*Verbindliche Anmeldung unter museum@penzberg.de
**Verbindliche Anmeldung über das Ferienprogramm der Stadt Penzberg
Mit Sonja Allgaier
Teilnahme € 12
Kunst & Wein | Museum Penzberg
10.09. | Donnerstag | ab 18 Uhr | mit kommissar. Museumsleiterin Anne Götzelmann
01.10. | Donnerstag | ab 18 Uhr | mit Kuratorin Diana Oesterle
Kunst- und Kulturgenuss in gemütlicher Atmosphäre: Nach einer Kuratorenführung entfalten sich bei einem Glas Wein Gespräche und Begegnungen rund um die Ausstellung. Eintritt und Führung kosten 8 € pro Person, das Glas Wein (0,2l) zwischen 5,50 und 6,50 €. Jahreskartenbesitzer und Mitglieder des Freundeskreises Heinrich Campendonk e.V. erhalten Führung und Eintritt gratis. Anmeldung an museum@penzberg.de
Festwochenende der Stadt Penzberg | 25.09. bis 27.09.
60 Jahre Bergwerksschließung in Penzberg – mit abwechslungsreichem Programm
Die Abteilung Bergbau im Deutschen Museum | Museum Penzberg
11.10. | Sonntag | 15 Uhr
Vortrag von Dr. Michaela Meier, Deutsches Museum München

