Heinrich Campendonk, Blaue Figuren 1946, Detail © VG BIld-Kunst, Bonn 2020

Hinter Glas gemalt

Geheimnisse einer Technik | verlängert bis 4. Juli 2021

Einen Videogruß zur Ausstellungseröffnung finden Sie hier.

 

Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte das Malen hinter Glas eine bedeutungsvolle Wiederentdeckung: Maler*innen wie Wassily Kandinsky, Heinrich Campendonk, Lily Hildebrandt, Oskar Schlemmer oder Walter Dexel experimentierten mit der Technik. Der geheimnisvolle Glanz und die farbintensive Leuchtkraft einer Hinterglasmalerei faszinieren Künstler*innen bis in die Gegenwart.

Die Ausstellung ermöglicht erstmals aufgrund neuer Erkenntnisse in Maltechnik und Materialanalyse einen Blick auf, hinter und in das Hinterglasbild - und geht gemeinsam mit dem Betrachter den Rätseln der facettenreichen Technik auf die Spur.

 

Ein Forschungsprojekt - drei Disziplinen

Über dreieinhalb Jahre leitete das Museum Penzberg - Sammlung Campendonk das Forschungsprojekt "Hinterglasmalerei als Technik der Klassischen Moderne 1905-1955", welches von der VolkswagenStiftung gefördert wurde. Kunsthistorikerinnen, eine Restauratorin und Chemiker*innen erfassten über 1200 Werke und untersuchten 66 Hinterglasbilder im Detail. Mehr Informationen zum Foschungsprojekt unter: www.hinterglas-klassischemoderne.de.

 

Weite Verbreitung - bislang wenig Anerkennung

Neben den „Blauen Reitern“ versuchten sich weitaus mehr Künstler*innen als gedacht in der rückwärtigen Bemalung einer gläsernen Tafel. Die technische Vielfalt offenbaren Hinterglaswerke von Nell Walden, Erich Buchholz oder HAP Grieshaber. Oftmals kombinierten sie traditionelle Praktiken mit modernen Materialien. Daher werden in der Ausstellung historische Vorläufer aus Europa und China modernen und zeitgenössischen Arbeiten gegenübergestellt. Werke von Thilo Westermann, Jochem Poensgen und Emil Schult veranschaulichen die Bedeutsamkeit für die Gegenwart.

 

Farbe, Radiernadel, Blattgold & Bronze

Grundsätzlich blieb die Herstellung eines seitenverkehrt angelegten Bildes über Jahrhunderte hinweg gleich. Geändert haben sich jedoch Motive, technische Experimente und Malmaterialien. Hierfür identifizierte die Materialanalyse die jeweiligen Farb- und Bindemittel. Die Kunsttechnologie ging den charakteristischen Spuren einer Künstlerhandschrift nach.

 

In dreizehn Ausstellungskapiteln, darunter „Das Postulat der Farbe“, „Radierung“, „Spiegelbilder“ oder „Besondere Glasarten“, werden den modernen und zeitgenössischen Werken auch immer ihre historischen Vorläufer des 18. und 19. Jahrhunderts gegenübergestellt. Der Ausblick auf zeitgenössische Hinterglasmaler wie Thilo Westermann, Jochem Poensgen und Emil Schult verdeutlicht die Aktualität der Technik. Anhand von zwei Filmen kann das Publikum hautnah den Malern Reinhold Nägele und Werner Schriefers bei der Arbeit zusehen. Die zahlreichen Exponate der Ausstellung spiegeln unterschiedliche Verfahren der Hinterglasmalerei wider. Details der bemalten Seite und im Durchlicht geben ungeahnte Einblicke in eine faszinierende Technik.

 

In einer zweiten Ausstellung im Frühjahr 2022 stehen die Forschungsergebnisse zur Kunst- und Kulturgeschichte im Fokus.

 

Begleitprogramm

 

Ein Bild, zwei Blickwinkel – Kunstgeschichte und Materialanalyse
Online-Vortrag von Diana Oesterle M.A. und Prof. Oliver Hahn
Donnerstag, 25. Februar 2021, 18 Uhr

Welche Erkenntnisse lassen sich aus einem Werk ziehen? Insbesondere, wenn sich gleich zwei Wissenschaften mit gänzlich unterschiedlichen Herangehensweisen einem Objekt widmen? Im Mittelpunkt des Vortrags steht Walter Dexels Hinterglasmalerei „Dampfmaschine“ aus dem Jahr 1921. Im Forschungsprojekt zur Hinterglasmalerei der Moderne wurde es sowohl seitens der Kunstgeschichte als auch aus chemischer Sicht untersucht. Diana Oesterle (Leiterin Museum Penzberg) und Prof. Oliver Hahn (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung) berichten
in ca. 30 Minuten von ihren Ergebnissen und Erlebnissen.

Voranmeldung unter museum@penzberg.de, der Teilnahmelink wird ca. drei Tage vorher verschickt. Der Vortrag ist kostenlos. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

 

Seitenverkehrt gedacht – Workshop für Kinder
Donnerstag, 18.02.2021 | 10 - 12 Uhr [ABGESAGT]
Donnerstag, 01.04.2021 | 10 - 12 Uhr
Dienstag, 06.04.2021 | 10 - 12 Uhr
Nach einer kurzen Entdeckungstour durch die Ausstellung darf selbst ausprobiert werden. Mit Farbe, Pinsel und etwas Glitzer entstehen kleine Kunstwerke hinter Glas.
Für Kinder ab 8 Jahren; Museumseintritt und Workshop kosten 10 €.
Bitte eine Malschürze mitbringen. Anmeldung ist erforderlich unter museum@penzberg.de.

 

Seitenverkehrt gedacht – Workshop für Familien
Samstag, 20.02.2021 | 10 - 13 Uhr [ABGESAGT]
Samstag, 27.03.2021 | 10 - 13 Uhr
Jedes Hinterglasbild ist anders, jeder Künstler hat seinen eigenen Stil. Nach einer Kurzführung darf selbst hinter Glas experimentiert werden.
Für Familien mit Kindern ab 6 Jahren; Museumseintritt und Workshop kosten 10 € / Person. Bitte eine Malschürze mitbringen. Anmeldung ist erforderlich unter museum@penzberg.de.

 

Bitte beachten: Die Corona-Pandemie erfordert flexibles Handeln, Termine und Veranstaltungen sowie die Konditionen im Museum können sich schnell ändern. Aktualisierte Informationen finden Sie hier und in unseren sozialen Medien.