Niemals wieder! 300 „Mahnblumen“ für Penzberg zum 75. Gedenkjahr der Mordnacht | VERSCHOBEN AUF HERBST 2020

 

300 „Mahnblumen“ für die Stadt Penzberg: Zum 75. Jahrestag der Penzberger Mordnacht am 28.4.2020 sollten die roten Blüten an den Orten des Gedenkens an die Opfer des NS-Regimes erinnern. Unter dem Motto „Niemals wieder!“ sollten die Friedenszeichen ab 26. April 2020 sechs Wochen lang bis 14. Juni am und um den Stadtplatz, am Platz „An der Freiheit“, auf dem Friedhof sowie am Museum als Kunst im öffentlichen Raum stehen. Im Museum Penzberg – Sammlung Campendonk war neben dem dauerhaften Themenraum zur Penzberger Mordnacht eine Ausstellungsebene von Walter Kuhn zum „Mahnblumen“-Projekt geplant.

 

Die Corona-Pandemie machte diese Vorhaben vorübergehend unmöglich. Deswegen wird das gesamte „Mahnblumen“-Projekt zum 75. Gedenkjahr der Penzberger Mordnacht auf den Herbst verschoben. Die Verlegung auf Oktober bis Anfang Dezember wird mit den anderen städtischen Veranstaltungen zum Thema koordiniert. Genaue Termine werden unter Einbezug der Gedenktage im November geplant. Sobald die Pandemie-Maßnahmen besser absehbar sind, werden sie bekannt gegeben.

 

Die „Mahnblumen“-Aktion war und ist explizit mit Bürgerbeteiligung vorgesehen. Für die Übernahme einer Patenschaft für 30 Euro pro Blume zur Unterstützung des Projektes konnten schon rund 150 Personen und Institutionen begeistert werden. Jetzt bietet sich durch die Verlegung die Chance, sich weiterhin mit einer Blumen-Patenschaft zu engagieren. Alle bisherigen und zukünftigen Paten werden gebeten, sich darauf einzustellen, dass die Blüten erst mit Ende der Ausstellung – voraussichtlich Anfang Dezember – abgeholt werden können.

 

Der Aktionskünstler Walter Kuhn hatte im Herbst 2018 auf dem Münchner Königsplatz ein Meer mit 3000 Mohnblumen als Mahnmal für den Frieden errichtet, das zur absoluten Attraktion wurde. Das Kunst- und Friedensprojekt geht seitdem regional und international weiter. Für Penzberg entwickelte der Künstler ein eigenes Konzept: Es ist ihm ein wichtiges Anliegen, die Ermordung von 16 Männern und Frauen in Penzberg durch NS-Anhänger am 28. April 1945 – wenige Tage vor Kriegsende – in Erinnerung zu bringen. Die Widerständler gegen das NS-Regime wurden am Platz „An der Freiheit“ erschossen. In jener Nacht erhängten die „Werwölfe Oberbayern“ außerdem zur Abschreckung sogenannte „politisch unzuverlässige“ Penzberger in der Bahnhof-, Karl- und Gustavstraße. Im Museum Penzberg – Sammlung Campendonk werden die Hintergründe zur Mordnacht sowie zu den „Mahnblumen“ aufgezeigt.

Mit dem nun neu im Herbst anvisierten Termin kann das Projekt den entsprechenden Raum im Museum und in der Stadt bekommen und die Totengedenktage mit einbeziehen. Zudem wird an die Verbrechen während der Novemberpogrome (7. bis 13. November) und die sogenannte „Reichskristallnacht“ erinnert, während derer das NS-Regime massive Ausschreitungen gegenüber Juden veranlasste. Darüber hinaus gilt der 11. November als Ende des Ersten Weltkrieges. Zu diesem Anlass hatte Walter Kuhn vor zwei Jahren den Münchner Königsplatz bespielt.

 

Mit der Kunst im öffentlichen Raum kann sich Penzberg an eine Form des kulturellen Gedenkens jenseits aller Museumsmauern anschließen und die Friedensbotschaft über die lokalen Grenzen hinaus weiterverbreiten. Eine aktive, ideelle sowie finanzielle Einbindung der BürgerInnen durch Übernahme von Blumen-Patenschaften ist weiterhin möglich. Unmittelbar nach Beendigung der Aktion gehen die Blumen inklusive Sockel in den Besitz ihrer Paten über und können am Museum abgeholt werden (Termine folgen).

Die etwa hüfthohen „Mahnblumen“ aus leuchtendroter Kunstseide haben einen Blütendurchmesser von 70 Zentimeter und werden als Zeichen des Friedens gerne in Vorgärten oder in den öffentlichen Raum gestellt, aber auch bei Kundgebungen und Demonstrationen für den Weltfrieden mitgetragen. So auch am 2. Dezember 2019, als Bundespräsident Walter Steinmeier die Moschee in Penzberg besuchte. Die Pegida-Anhänger hatten zu einer Demonstration aufgerufen. Hierzu bezogen Penzberger Bürgerinnen und Bürger mit rund 60 „Mahnblumen“ Stellung.

 

Die Übernahme einer „Mahnblumen“-Patenschaft ist denkbar einfach:

Pro „Mahnblume“ werden 30 Euro überwiesen an:

Stadt Penzberg, IBAN DE89 7035 1030 0000 3000 20.

Verwendungszweck: Mahnblume, Name des Überweisenden (Mahnblume, Max Mustermann).

Alle Paten werden namentlich auf der Projekthomepage www.mahnblumen-penzberg.de aufgeführt. Wer das nicht möchte, schickt eine Mail an: patenschaft@mahnblumen-penzberg.de.

 

Kleine „Mahnblumen“ für 8,50 € sind im Museum Penzberg –Sammlung Campendonk erhältlich.

Die kleinen Geschwister der großen „Mahnblumen“ können für 8,50 Euro im Museumsshop (oder unter museum@penzberg.de) erworben werden. Mit einer Höhe von 28 Zentimetern sind sie nicht nur ein dekoratives Friedenszeichen, sondern können auch als "Vorbote" für eine Patenschaft verschenkt werden.

 

Freier Eintritt für alle SchülerInnen und Jugendlichen
Für alle Schülerinnen, Schüler sowie alle Jugendlichen bis 18 Jahre ist während der Laufzeit des Kunstprojektes der Eintritt in die Ausstellungsräume des Museums zu den „Mahnblumen“ und zur Penzberger Mordnacht frei!

 

Abb.: Mohnblumen-Aktion "Niemals wieder" auf dem Königsplatz in München 2018, Foto: Nikolai Klassen.